Fuji X10 - die kleine "Immerdabei"

 

Irgendwann stellte sich mir die Frage nach der optimalen Kompaktkamera. Denn nicht immer habe ich die Lust dazu, meine schwere Spiegelreflex überall mit hinzuschleppen. Seit längerem beobachtete ich deshalb die Entwicklungen im Bereich der spiegellosen Systemkameras und der Edelkompakten. Letztlich führte für mich kein Weg an der Fujifilm X10 vorbei. Ich leistete sie mir schließlich als neuwertige Gebrauchtkamera, nachdem ich zuvor eine andere Kompakte veräußert hatte, die in der Bildqualität nicht ganz meinen Erwartungen entsprach. 

Die Fujifilm X10 ist eine ganz erstaunliche Kamera. Nicht umsonst galt sie bei ihrem Erscheinen als beste Kompakte auf dem Markt. Nimmt man sie erstmals zur Hand, ist da jenes Gefühl von Qualität, das ansonsten die M-Leica so unnachahmlich vermittelt. Vom Plastik-Feeling der Mitbewerber hebt sich die Fuji jedenfalls angenehm ab. Satt rastende Einstellräder, Deckkappe, Bodenplatte und Objektiv aus Metall - genau so muss eine Kamera nach meinen Vorstellungen sein. Der Marktpreis geht deshalb voll in Ordnung.

 

Das hat für mich persönlich sehr mit dem Retrodesign zu tun. Zudem gibt es eben Dinge, die kann man nicht mehr besser machen. Wahlräder finde ich übersichtlicher als Displays. Ein Zoomring an der Optik ist handlicher als ein Schalter. Nur hübsch zu sein, reicht aber nicht. Eine technisch gute Bildqualität ist natürlich ebenso wichtig. Fuji hat in diesem Bereich seit vielen Jahrzehnten gute Referenzen. Als Objektivhersteller im Profi-TV-Bereich, wo engste Toleranzen gefordert werden ebenso, wie als Kamera- und Sensorhersteller.

 

Ich bin nicht gerade ein bekennender Fan kleinster Sensoren. Und zwar mit gutem Grund. So ganz gehört die Fujifilm X10 zwar nicht zu dieser Kategorie – dennoch sollte man von ihrem Chip keine Wunder erwarten. Selbst wenn er mit fast einem Zoll Größe (2/3 Zoll) bald doppelt so groß wie die Sensoren vieler Mitbewerber auf dem Markt ist - verglichen mit Vollformat ist er schon recht klein.

 

So gesehen ist es bemerkenswert, was Fuji aus diesem Sensor hervorholt. Da, wo normale Kompakte nur noch Pixelbrei produzieren, bildet die Fuji noch getreulich jedes Detail ab.

 

Mit der gut abgestimmten Kombination aus lichtstarker 1:2–2,8 Optik (Klassendurchschnitt ist 1:4,5–6,3), einem Sensor mit Fujis patentierter EXR-Pixelanordnung und einer überdurchschnittlich arbeitenden kamerainternen Bildverarbeitung scheint Fuji die bis dato technischen Möglichkeiten ans Limit gebracht zu haben. Die Fujifilm X10 liefert für eine Kompaktkamera jedenfalls erstaunlich gute Bildergebnisse ab.

 

Die interne Bildverarbeitung der Fuji schärft die Bilder je nach Einstellung massiv nach. Ein Nachschärfen in Photoshop ist daher, wenn überhaupt, nur minimal zu empfehlen. Der Weißabgleich arbeitet neutraler als von anderen gewohnt. Das erstaunlichste ist aber das Rauschverhalten. Hier dürfte man wegen der geringen Sensorgröße nun wirklich nicht viel erwarten. Trotzdem soll die Fujifilm X10 bei ISO 1600 teilweise bessere Resultate als eine Olympus Pen mit einem drei Mal so großen Micro-Four-Thirds Sensor liefern.

 

Wenn man Kameras wie die 40D gewohnt ist, dann ist die Fujifilm X10 im Vergleich dazu wirklich winzig. Sie wiegt gerade einmal 380 g. Tatsächlich ist sie kleiner als manches Notizbuch. Dementsprechend passt sie in jede Akten- oder manch Jackentasche. Dennoch lässt sie sich noch ordentlich halten.

 

Der optische Bildstabilisator wäre vielleicht gar nicht nötig. Die Brennweite ist wegen des kleinen Sensors extrem kurz (7,1 – 28,4mm, das entspricht 28 – 112mm im Kleinbildäquivalent.) Bei der Brennweite verwackelt man selbst bei 1/15sek nur schwer – solange man die Kamera ordentlich in der Hand hält. Bokeh darf man nicht allzu sehr erwarten. Alles kann man eben nicht haben, aber selbst das muss nicht unbedingt gleich ein Nachteil sein. Bei der überragenden Schärfentiefe sieht man es dafür nicht gleich, wenn der Autofokus mal einige Zentimeter (was selten vorkommt) danebenliegt.

 

Gut finde ich, dass der Sucher doppelt so groß abbildet, wie die Gucklöcher der meisten Mitbewerber. Beim Drehen des Zoomringes zoomt der Sucher der Fujifilm X10 mit. Er ist aufwändig aus vergütetem Glas gefertigt und heller als übliche Plastiklinsen. Schärfer wirkt er auch und er besitzt sogar eine Dioptrienkorrektur. Allerdings gibt es keine Bildfeldbegrenzung oder sonstige Belichtungsanzeigen im Sucher und er zeigt nur 85% des tatsächlichen Bildausschnitts. Eine Markierung für den Autofokus wäre zwar fein, gibt es aber ebenfalls nicht. Das übliche Verfahren, nur den Messpunkt im Zentrum zu benutzen, scharfzustellen und dann auf den endgültigen Bildausschnitt zu schwenken, funktioniert aber dennoch recht gut. Die ganzen Extras, die die Kamera sonst noch bietet, wie Gesichtserkennung, Verfolgermodus usw. würde ich persönlich gar nicht benötigen.

 

Natürlich ist auch die Fujifilm X10 nicht makellos. Im Gegensatz zur solide rastenden Blendenkorrektur ist das Daumenrad viel zu leichtgängig. Es passiert, dass man in der Zeitautomatik leicht die Blende verstellt, ohne es zu wollen. Zudem verdeckt eine angesetzte Gegenlichtblende sehr viel vom Sucherbild. Hier wäre gegebenenfalls eine kompaktere Lösung gefragt. Weitere Kritikpunkte fallen mir dann aber auch schon nicht ein.

 

Allein Menschen, die nicht bereit sind, die einfachsten Grundlagen der Fotografie zu erlernen oder einmal eine Bedienungsanleitung zu lesen, werden mit der Fujifilm X10 wahrscheinlich nicht glücklich werden. Ambitionierten Enthusiasten und selbst Profis, die eine kleine „Immerdabei“ mit brauchbarer Bildqualität suchen, kann man die Fujifilm X10 meiner Meinung nach uneingeschränkt empfehlen. Nach einigen Testreihen und nachdem ich mich mit der EXR-Sensortechnologie auseinandergesetzt habe, habe ich die für mich günstigste Grundeinstellung gefunden. Die kleine Schwarze ist leise und diskret, denn nicht immer ist es klug, mit einer riesigen, lauten und auffälligen Spiegelreflexkamera Leute zu fotografieren – speziell in nicht so gut situierten Ländern. Es gibt nur eine Situation, die unerträglicher ist - nämlich im entscheidenden Moment gar keine Kamera zur Hand zu haben - und nein, Smartphones zählen für mich nicht zum fotografischen Equipment!

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