Das "Landeshaus" in Kiel

 

 

Jeden Morgen, wenn ich aus der Tiefgarage an die Oberfläche komme, steht es vor mir - das "Landeshaus" Kiel, in dem die Landesregierung von Schleswig-Holstein ihren Sitz hat. Grund genug, es an einem schönen Sommermorgen einmal abzulichten.

Ehemals zeugte das Gebäude vom Stolz der preußischen Marine. 1950 wurde die ehemalige Marineakademie Sitz des noch jungen Schleswig-Holsteinischen Landtages. Seitdem ist sie im Volksmund auch als "Landeshaus" bekannt. Langezeit beherbergte das Gebäude - anders als in anderen Flächenländern - nicht nur das Parlament, sondern mit der Staatskanzlei auch die Regierung.

An der Stelle des heutigen Landeshause hatte im 19. Jahrhundert die Seebadeanstalt gelegen, der Treffpunkt der Kieler Gesellschaft. Nach dem deutsch-dänischen Krieg 1864 ergriff Preußen die Möglichkeit, die Marine auszubauen und Kiel zum Kriegshafen zu erklären. Im Sommer 1865 wurde die Seebadeanstalt an den preußischen Fiskus verkauft, der auf dem Gelände ein Marinearsenal mit Werftgelände errichtete. Auf diesem Gelände wurde 1888 der repräsentative Bau der Marineakademie eingeweiht, ein Symbol für die Bedeutung der Marine im Kaiserreich.

Die Marineakademie bestand bis 1914; nach dem Ersten Weltkrieg war das Gebäude Sitz des kommandierenden Admirals der Marinestation der Ostsee. Im Zweiten Weltkrieg blieb auch das Gebäude der Marineakademie von den Bomben nicht verschont. Die Dachkonstruktion, der Südostflügel und die ehemalige Säulenhalle erlitten schwere Schäden.

1947 bis 1950 wurde das Gebäude, für das 1948 zum ersten Mal die Bezeichnung „Landeshaus“ aufkam, in vereinfachter Form wiederhergestellt. In das Gebäude zogen 1950 der Schleswig-Holsteinische Landtag, Abteilungen mehrerer Landesministerien und die Staatskanzlei ein. Aus Raummangel mehrfach umgebaut, fand 1984 bis 1988 eine Grundinstandsetzung des Gebäudes statt. Der Abschluss der Sanierung begann 2001 mit dem Bau eines neuen Plenarsaales. Inzwischen ist auch die Staatskanzlei aus dem Landeshaus ausgezogen, und damit ist das für einen bundesdeutschen Flächenstaat unübliche Zusammenleben von Parlament und Regierung unter einem Dach beendet.

 

(Quelle: Historikerin Christa Geckeler, Kieler Erinnerungstage)

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